Die Brutalität der Wirtschaft sprengt alle Grenzen
Der Verband der italienischen Handelskammern (Unioncamere)
hat in einer Statistik festgestellt, dass derzeit nur mehr 20
Prozent der Arbeitsplätze unbefristet vergeben werden, 80
Prozent hingegen befristet.
SVP-Landtagsabgeordneter Georg Pardeller bezeichnet diese
Zahlen als erschreckend.
Wo die unbefristete Arbeit fehle, fehle die Hoffnung und mit
ihr auf die Grundlage für die Planung eines geordneten und
linearen Lebens.
"Auch wenn man in Rechnung stellt, dass aufgrund der
wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Europa und darüber hinaus
der Arbeitsplatz, wie wir ihn seit Jahrzehnten kennen, an
Stabilität und Verlässlichkeit verloren hat, darf es in einer
Gesellschaft, die sich auf soziale Werte besinnt und von
Solidarität spricht, nicht sein, dass zwei von zehn
Arbeitsplätzen befristet, also unsicher sind. Dies veranlasst
zur Feststellung, dass die moderne Wirtschaft ihre ganze
Brutalität offen legt. Sie hat es mit ihrer Macht und ihrem
Einfluss so weit gebracht, dass sie über das Schicksal der
Mehrheit der werktätigen Bevölkerung entscheidet", stellt der
Abgeordnete fest.
Eine Gesellschaft, die sich in solcher Weise von ihren
Grundwerten entferne, befinde sich in einer tiefen Krise; es
sei eine Krise auf Kosten der Jugend, der jungen Familien,
der arbeitswilligen Menschen und all jener, die sich ein
gesichertes wirtschaftliches Einkommen erhoffen, auf das sie
sich mit ihrer Ausbildung eingerichtet hätten. Sie würden
grausam enttäuscht.
"Ich kann auf Anhieb nicht sagen, ob diese Prozentsätze von
Unioncamere auch für Südtirol gelten oder ob es bei uns
besser bestellt ist. Ich fürchte, dass Südtirols Wirtschaft
nicht aus der Reihe schlägt. Auch bei uns hat sich der
Neoliberalismus durchgesetzt und wird der arbeitende Mensch
auf diese Weise unter Druck gesetzt. Ich sage es seit Jahren
und ich wiederhole es: Wenn Südtirol seine sozialen Werte
nicht vollends einbüßen will, müssen die Sozialpartner viel
enger und direkter zusammenarbeiten und im Interesse der
Jugend, der jungen Familien, all jener, die ohne Arbeit in
Armut und Elend stürzen, gerechte Auswege finden. Keine
Gesellschaft, auch nicht jene Südtirols, kann einen solchen
unmenschlichen Druck auf Dauer aushalten, ohne großen Schaden
zu nehmen. Die Politik ist gefordert, gleich wie die
Wirtschaft und die Menschlichkeit der Gesellschaft
insgesamt", erklärt Georg Pardeller.